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Let's talk about sex baby

Die neosexuelle Revolution hat alles scheinbar vereinfacht: Männer sind untreue Frauenbefruchter und Frauen-Gene zwingen zu Monogamie. Doch wer genauer hinguckt, stellt fest, dass Steinzeitreflexe heute nicht mehr als Begründung gelten können.

Warum hassen Feministinnen die Evolutionspsychologie so sehr? Weil diese wissenschaftliche Branche meint, unser Geschlechts-, Sexual- und Liebesleben sei vor Urzeiten stammesgeschichtlich festgelegt worden. Wir seien im Grunde Kinder des etwa 2,5 Millionen Jahre alten Pleistozäns, dafür geschaffen, als Jäger und Sammler in kleinen Gruppen durch die Savanne zu ziehen. Gewissermaßen natürlich sei, dass Männchen dominant sind und Weibchen sich um den Nachwuchs sorgen. Wie Männchen ihren Samen verspritzen, Promiskuität oder sexuelle Gewalt – all das sei angeboren.

Dabei übersehen die Wissenschaftsspekulanten, dass es bei all dem, was sie zu erörtern suchen, nicht um Geschlechtlichkeit, Sexualität und Liebe im heutigen kulturellen Sinne und damit um Subjektivität und Individualität geht, sondern um Fortpflanzung und Arterhaltung im biologischen Sinne. Spuren der Emotionen haben sich natürlich nicht materiell in Fossilien niederschlagen können. Alle Aussagen über das Leben der Jäger und Sammler sind logischerweise unbegründbare Vermutungen.

Moralische Vorgaben fehlen

Warum sind solche Jäger- und Sammler-Erklärungen heute so beliebt? Ich denke, weil unsere gegenwärtigen Sexual- und Geschlechtsverhältnisse sehr irritierend sind. Da heute verbindliche kulturelle und insbesondere moralische Vorgaben fehlen, müssen alle, Frauen wie Männer, selbst entscheiden, was sie tun oder lassen. Natürlich gibt es noch Weichenstellungen durch die Herkunftsfamilie, die Freundinnen und Freunde, die Medien usw. Aber letztlich muss jede und jeder selbst entscheiden, ob sie oder er überhaupt ein Sexualleben beginnt und wenn ja, auf welche Weise und mit welcher Geschlechtlichkeit.

Angesichts derartig individualisierter, Freiheiten einräumender, aber zugleich strapaziöser Verhältnisse, die ich als „neosexuelle Revolution“ beschrieben habe, liegt eine Flucht in angeborene Zustände nahe. Auf einmal ist die komplexe Welt wieder ganz einfach gestrickt: Männer sind genetisch festgelegte untreue Frauenbefruchter, und Frauen sehnen sich genetisch nach Monogamie. Wundersam beruhigend ist dieser anachronistische evolutionspsychologische Reduktionismus.

Doch warum kann unser sexuelles und geschlechtliches Verhalten nicht mehr mit Urinstinkten erklärt werden? Weil zwischen der Steinzeit und dem Endkapitalismus ein Abgrund klafft. Weil wir seit Jahrhunderten in einem sexuellen Zeitalter leben und um Geburtenregelung, freie Liebe, sexuelle und geschlechtliche Emanzipation kämpfen. Weil bei uns Fortpflanzung und Sexualität nicht mehr zusammenfallen. Weil der Mensch von Natur gesellschaftlich ist und folglich sein Sexual- und Geschlechtsleben auch.

Ohne Lebensprozesse existiert die Menschheit nicht

Ohne den gesellschaftlichen Lebensprozess existierte die Menschheit weder biologisch noch sonst wie. Das natürliche Moment am Sexuellen lässt sich vom gesellschaftlichen prinzipiell nicht abscheiden − im Sinne von primär und sekundär, von vorausgegeben und gemacht, von richtig und falsch. Die ökonomisch-experimentelle Wissensgesellschaft hat in einem Tempo und in einem Ausmaß, das sich Evolutionsforscher offenbar gar nicht vorstellen können, alle vorausgegangenen Grenzziehungen beseitigt oder infrage gestellt. Ich erinnere nur daran, dass wir der bisherigen Natur „naturale“ Dinge und Vorgänge hinzufügen, ob nun das Element Hassium, genchirurgisch veränderte Pflanzen und ungeschlechtlich geklonte Säugetiere, menschliche „Retortenbabys“ oder Schwangerschaften außerhalb der „altnatürlichen“ Fruchtbarkeitsperiode.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    P. Feldmann – 23.01.2012 - 10:25

    Danke für diesen Artikel, der in erfreulicher Weise aufschlüsselt, warum wir uns einerseits in einer Zeit sexueller “Befreiung” zu finden meinen, in der andererseits paradox mit biologistischen Reduktionismen argumentiert wird (für und wider die “Befreiung”). Wenn an irgendetwas sichtbar wird, wie sehr “Natur” von “Kultur” abhängt, dann an so einem basalen Thema wie der Sexualität. Sobald wir sie wahrnehmen, darüber nachdenken, darüber reden… und: all dies tun wir immerzu, wird sichtbar, dass allein schon ein Begriff von Sexualität kulturelle Setzung ist.
    Desweiteren: Dass man in einer Zeit der “Freiheit” gerne als Medikament gegen die durch sie verursachte Angst mit Determinismen argumentiert, ist mehr als ein Kuriosum. An diesem Punkt zeigt sich, dass,- will man einen dieser Begriffe zum absoluten System machen-, man automatisch in eine dialektische Antinomie abdriftet.

  • Theeuropean-placeholder
    neon-golden – 02.02.2012 - 20:19

    Der Autor betreibt hier reine Ideologie und diffamiert ein anderes wissenschaftliches Fach (die Evolotionspsychologie) als unwissenschaftlich.

    Niemand der seinen Verstand beisammen hat wird auf so ein Gerede herein fallen. Man kann sehr gut sehen, dass es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Man wählt seine Geschlechtlichkeit also nicht!

    Es sind aber Leute wie der Autor, die labile und verunsicherte Menschen nachhaltig in die Irre führen.

    Es riecht nach Gender-Mainstreaming, eines der schlimmsten Programme zur Zerstörung der Gesellschaft und zum Missbrauch an menschlichen Seelen.

    Dieser Artikel ist eine Schande.
    Die Kommentare erbärmlich.

  • Theeuropean-placeholder
    jannis – 25.01.2012 - 12:25

    “Angesichts derartig individualisierter, Freiheiten einräumender, aber zugleich strapaziöser Verhältnisse, die ich als „neosexuelle Revolution“ beschrieben habe, liegt eine Flucht in angeborene Zustände nahe. Auf einmal ist die komplexe Welt wieder ganz einfach gestrickt: Männer sind genetisch festgelegte untreue Frauenbefruchter, und Frauen sehnen sich genetisch nach Monogamie. Wundersam beruhigend ist dieser anachronistische evolutionspsychologische Reduktionismus.”

    Hier liegt der Knackpunkt ihres Argumentationsaufbaus:
    Sie sagen, den Menschen ist heute alles zu kompliziert und deshalb stützen sie sich auf einfachere Thesen. Aber was, wenn die Erklärung wirklich einfach einfach ist? In der Wissenschaft geht man davon aus, dass eine einfache Erklärung immer einer komplizierteren vorgezogen werden soll.

    Es ist richtig, zwischen der Steinzeit und dem 21.Jahrhundert liegt viel Zeit. Aber überlegen Sie auch, wie viele Generationen die Natur da Zeit hatte, die Fitesten auszuselektieren. Eine Frau war damals auf den Schutz durch den Mann angewiesen, das leutet doch mehr als ein. Dass das alles nur Spekulationen sind, schön und gut, aber haben Sie bessere Erklärungen?

    Auch wenn der Mensch heute kulturell sich mit seiner Sexualität auseinander setzt und sie dadurch von seiner rein rein natürlich-animalischen Form ablöst und zu einem Teil der Kultur werden lässt: Er beschäftigt sich letztendlich mit seiner Steinzeitsexualität, weil das eben sein Ausgangspunkt ist. Und dieser Ausgangspunkt ist auch der Grund, warum sie überhaupt Sex machen: Weil er sich gut anfühlt, weil das Gehirn es belohnt. Evolutionspsychologen und-biologen sind (im Gegenteil zu Feministen) ideologiefrei oder sollten es zumindest immer sein. Wenn ein Befund da ist, dann ist er da, auch wenn man ihn nicht widerspruchsfrei erklären kann. Von Widerspruchsfreiheit beim Erklären des Menschen sollte man Abstand nehmen, dann kann man Vieles besser verstehen. Ideologien können das nicht.

    Also, in einem Satz: Die Sexualität des Menschen wird mit Sicherheit mittlerweile auch kulturell geprägt, aber ihr Ursprung wird immer in der Steinzeit respektive schon beim Affen oder noch besser in den Gesetzen der Fortpflanzung im Allgemeinen liegen und nur von da aus kann der Mensch sie analysieren, interpretieren und vielleicht irgendwann auch verändern.

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 26.01.2012 - 10:47

    Das Grundproblem ist doch wie bringt man es der heutigen Gesellschaft bei das wir langfristig eine Art der Geburten Reduzierung brauchen.

    Dieser kleine Planet Erde verkraftet nur eine bestimmte maximal Anzahl an Menschen, das Verhältnis gesunder Lebensmittel zum Verhältnis der derzeit lebenden Menschen ist jetzt schon kritisch.

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name ... – 11.02.2012 - 15:59

    Immer diese banalen Denfehler!

    “Weil bei uns Fortpflanzung und Sexualität nicht mehr zusammenfallen.”

    Ohne Sex (ob nun Masturbation oder Geschlechtsverkehr) keine Fortpflanzung!

    “Doch warum kann unser sexuelles und geschlechtliches Verhalten nicht mehr mit Urinstinkten erklärt werden? Weil zwischen der Steinzeit und dem Endkapitalismus ein Abgrund klafft.”

    Abgrund? Eher ein langer Weg, was dann sehr wohl bedeutet dass man sexuelles/geschlechtliches Verhalten AUCH mit Urinstinkten (dazu gehört z.B.auch Angst) erklären kann.

    “Weil der Mensch von Natur gesellschaftlich ist und folglich sein Sexual- und Geschlechtsleben auch.”

    Merken Sie was?
    “von Natur aus gesellschaftlich”: Evolutionspsychologie!

    Aber die heutige Sexualität lässt sich mittels Evolutionspsychologie (um nicht missverstanden zu werden: teilweise) nicht erklären, ah ja…
    Gesellschaft schon, Sex nicht.

    Ein weithergeholter Vergleich, mMn trotzdem passend: früher hat man die Gesellschaft göttlich legitimiert während die Sexualität nicht als gottgegeben sondern entweder als Arbeit (soll nur der Fortpflanzung dienen) oder Sünde gebrandmarkt wurde.

    Sie sind nicht progressiv, sondern im Mittelalter

    Alles was zu viel bedacht wird, wird bedenklich. Nietzsche

  • Theeuropean-placeholder
    Marc Voigt – 11.02.2012 - 18:11

    Sehr geehrter Herr “der der sich anscheinend seines Namens schämt” (Ihr Name),

    Ich denke sicher, ich und vor allem meine Kurdische Freundin wünschten sich weit mehr wie nur unsere zwei tollen Kinder, oder die Chance für Ihre zum Teil gleichwertigen, zum Teil höherwertigen Leistungen fair und gerecht anerkannt zu werden.

    Die asoziale Herabstufung anderer Kulturen die einen zum Teil andere Forschungen in den Bereichen Kräuterheilkunde, Philosophie, Psychologie… zeigt doch wie ignorant, krank das westliche Denkschema ist.

    Pers. denke ich:" Ignoranz beginnt bei einem jedem selbst.

    Das wegsehen scheint nach 1933 ein naturgegebener Instinkt von uns Deutschen zu sein und ja ich schäme mich für die Verbrechen die das damalige Volk der Deutschen am Jüdischem, Roma, Polnischem….. Volk begangen hat .

    Was Nietsche angeht, ich habe mir diesen unvollkommenen Mist vollständig rein gezogen, absolut Zeit und Thema fern.

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