Kapitalismus ist so ähnlich wie Sex. Selbst wenn er schlecht ist, ist er immer noch besser, als überhaupt keinen zu haben. Vince Ebert

Das Urteil

Wulff mag sich ans Amt geklammert haben, am Ende ist sein Rücktritt dennoch ein Triumph für das politische System Deutschlands.

Christian Wulff steht vor den Trümmern seines politischen Lebens. Aber immerhin: Nun hat er den klaren Schnitt vollzogen, den so viele schon lange fordern.

In gewisser Hinsicht ist es tröstlich, dass das politische System in Deutschland trotz allem funktioniert: Es war die Judikative in Form der Staatsanwaltschaft Hannover, deren Antrag auf Aufhebung von Wulffs Immunität nun den Ausschlag für seinen Rücktritt gegeben hat.

Katastrophale Öffentlichkeitsarbeit

Die Kluft zwischen den moralischen Appellen Wulffs an Ethik und Anstand anderer Politiker und seinem eigenen Verhalten war einfach zu groß. Hinzu kommt, dass Wulff wohl bis zum Schluss nicht so recht verstanden hat, was ihm vorgeworfen wurde.

Nur so ist die katastrophale Öffentlichkeitsarbeit Wulffs eventuell erklärbar. Der nun Ex-Präsident hat anfangs gar nicht auf die Vorwürfe reagiert, dann in einem für Politiker unfassbaren Fall von Kontrollverlust die Mailbox des Bild-Chefredakteurs vollgequatscht und schließlich mit einem TV-Interview alles noch viel schlimmer gemacht.

Nun wird sich alles sehr schnell auf den oder die Nachfolger(in) konzentrieren. Zu hoffen ist, dass dabei die Aufarbeitung der Affäre Wulff nicht zu kurz kommt. Wir müssen uns der Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft vergewissern und sie gegebenenfalls überarbeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nun angekündigt, dass der nächste Bundespräsident ein gemeinsamer Kandidat mit der Opposition sein wird. Angesichts der sehr knappen Mehrheitsverhältnisse für die regierende Koalition geht es gar nicht anders.

Koalitionsfarben der Zukunft

Bislang konnte Merkel ihre persönliche Popularität sogar weiter steigern, obwohl Wulff ihr Kandidat war – und nun schon der zweite Präsident ist, den sie durch Rücktritt „verliert“. Wenn sie die Gespräche mit der Opposition über die Nachfolge nutzt, um verschüttete Gesprächskanäle wieder zu öffnen, könnte sie mittelfristig sogar weiter profitieren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Bundespräsidentenkür die Koalitionsfarben der Zukunft beeinflussen würde. Das aber sehen wir dann erst nach der Bundestagswahl im Herbst 2013.

Margaret Heckels Kolumne erschien heute zunächst vor dem Rücktritt des Bundespräsidenten. Den ursprünglichen Text finden Sie hier: „Der Process“.

Leserbriefe

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    derblondehans – 17.02.2012 - 13:36

    … richtig, die Ex profitiert. Womöglich wird sie sich nun als ‘Angela die I.’ von Zentral-Europa, wie einst anno ‘77 Jean-Bedel Bokassa aus Zentralafrika, selber die Krone auf ihre sturmfeste Fönfrisur drücken … wen würd’ ’s wundern?

  • Theeuropean-placeholder
    Wolfgang Daub – 17.02.2012 - 16:40

    Es wäre für ihn ehrenvoller gewesen rechtzeitig aus eigenem Antrieb zurück zutreten, bevor die Staatsanwaltschaft tätig wurde. Er war eine Schande für alle Bürger, ich schäme mich. Nach der heutigen Ansprache glaubt er wohl immer noch , er hätte alles richtig gemacht. Er verarschte uns Alle bis zum heutigen Tag, pfui.

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    FranzEmmert – 17.02.2012 - 18:04

    Christian Wulff hat schon als Ministerpräsident die hohe Schule des Umgangs mit Lobyisten (Freunde)gelernt. Lobyisten erwarten, daß Ihre Interessen, Ihre Pfründe etc. abgesichert werden. Gefügigkeit wird großzügig belohnt, Spendengelder, Geschenke, Annehmlichkeiten, alles Super. Läuft es einmal nicht so, holt man die Keule raus und droht mit Arbeitsplatzabbau und Verlagerung des Produktionsstandorts ins Ausland. Das läßt sich politisch nicht verkaufen, schon gehen alle Lampen auf rot. Ein Dilema, in das sich die Politik und Politiker immer wieder begeben..
    Der Bürger ist der Dumme, er zahlt die Zeche.

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    marine – 17.02.2012 - 20:20

    es grenzt schon an altersdemenz was uns hr. wulff die letzte zeit vorgeführt hat . auch heute bei seiner erklärung -er wäre immer aufrichtig gewesen !!! aufrichtigkeit heisst EHRLICHKEIT !!!
    der ehrensold steht herrn wulff nicht zu.selber stellte er den ehrensold in frage gestellt-warum sollte er diesen sold erhalten ? was hat er in den 18 monaten geleistet ? sich durchgeschnorrt wo es nur ging! so etwas kann man nicht ehrenvoll nennen-es ist einfach beschämend wie dieser mann sich verhalten hat wo er doch wirklich genug geld verdient.

  • Theeuropean-placeholder
    Gibbert – 18.02.2012 - 10:50

    Es ist einfach nicht zu fassen, das sich einige hier immer noch in ihrer Verbohrtheit oder auch Patei politischem Kalkühl wissentlich das es keine konkreten Vefehlungen von Herrn Wulff gibt negativ ich möchte sagen im höchsten Maße ungebührlich über Christian Wulff äußern. Was es in letzter Zeit an ehrabschneidenden und wiederlichen Kommentare in manchen Foren gegeben hat ist schon bemerkenswert. So etwas solllte es auch nicht geben dürfen!!!. Mein Vertrauen jedenfalls hat Herr Wulff jedenfalls. Mögen sich die linken Hetzredner und ander Weltverbesserer jetz aufregen, das ist mir egal. Ich glaube jedenfalls an die Unschultsvermutung und nicht daran nur genung Dreck um sich zu werfen und so eine integren Mann vernichten zu können. Schönen Gruß an SPD,Grüne und Linke.

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